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(Wieder-) Entdecken - Die Kunsthalle 1933-1945 und die Folgen

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Einführung

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    Die nationalsozialistische Diktatur hat bis heute unmittelbare Auswirkungen auf die Sammlung der Kunsthalle. Aber auch viele mit dem Museum verbundene Menschen mussten unter dem Regime schwerstes Leid ertragen – sie wurden aus ihren Ämtern gedrängt, zur Emigration gezwungen oder ermordet. Die Dauerausstellung beleuchtet diese bis heute nachwirkenden Folgen des Nationalsozialismus unter drei Gesichtspunkten: die 1937 durchgeführten Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ und die Ausstellung Kulturbolschewistische Bilder, das Schicksal fünf jüdischer Familien und einem Einblick in die Provenienzforschung an der Kunsthalle.      
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    "Auch wenn die Ausstellung „(Wieder-)Entdecken“ ganz viele kleine Geschichten und Schicksale präsentiert, die sich hinter den Gemälden, Skulpturen und Graphiken verbergen, sind es aber vor allem drei wesentliche Aspekte, die wir den Besuchern vor allem vor Augen führen und begreifbar machen wollten: Sie sollten die Beschlagnahmungen „Entarteter Kunst“ von 1937 und die großen Verluste, die die Kunsthalle dabei erlitt, in allen wesentlichen Details nachvollziehen können. Zugleich sollte an die jüdischen Mäzene, die großen Anteil am Aufbau der musealen Sammlungen hatten, erinnert werden. Und nicht zuletzt sollten auch die Ergebnisse der Provenienzforschung an der Kunsthalle wie auch die Komplexität derartiger Recherchen dem Besucher nachvollziehbar gemacht werden. Am konkreten Beispiel der Kunsthalle Mannheim sollte so aufgezeigt werden, welche verheerenden Auswirkungen die nationalsozialistische Diktatur auf museale Sammlungen hatte und welche tiefgreifenden Folgen sich daraus mitunter bis heute ergeben. Dabei liegt der Fokus aber nicht nur auf den Kunstwerken, der Blick ist gleichzeitig auch auf die vielen menschlichen Schicksale gerichtet, die die NS-Diktatur alleine im Umfeld der Kunsthalle zu verantworten hat."
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    Seit 2011 beschäftigen wir uns in der Kunsthalle Mannheim intensiv mit dem Thema Provenienzforschung und kommen damit einer äußerst wichtigen, lange vernachlässigten musealen Aufgabe nach. Dabei geht es nicht nur um die Ausstellungs-und- Sammlungsgeschichte unseres Museums, um die  Herkunft einzelner Kunstwerke, es geht immer auch um das Schicksal von Menschen. Dies zeigt unsere Ausstellung beispielhaft. Die Art der Präsentation und der Vermittlung komplexer Zusammenhänge, die zum Teil auf detektivischer Recherchearbeit beruhen, ist innovativ und wir sind sehr glücklich darüber, dass das Publikum sich derart interessiert zeigt.
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    Die Mannheimer Moderne-Sammlung: Diffamiert, beschlagnahmt und über die ganze Welt zerstreut

    Am 4. April 1933 eröffnet die Kunsthalle mit der Ausstellung Kulturbolschewistische Bilder die erste antimoderne „Schandausstellung“ im Nationalsozialismus überhaupt. 64 Gemälde, zwei Plastiken und 20 Graphiken aus der Sammlung von insgesamt 55 Künstlern werden öffentlich als „kulturbolschewistische Machwerke“ denunziert. Die Mannheimer Schau ist Auftakt und in vielem Vorbild für die nachfolgenden Ausstellungen „entarteter Kunst“.

    Wie vor Gericht gezerrt, werden die ausgestellten Beispiele moderner Kunst in einer möglichst entwürdigenden Art gezeigt: Ohne Rahmung und erkennbare Ordnung hängen die Gemälde und Graphiken dicht an dicht gedrängt an den Wänden. In einigen Fällen wird die „Rasse“ des Künstlers sowie der Kunsthändler genannt, von dem es erworben wurde. Nach dem Ende der Ausstellung, die über 20.000 Besucher zählt, werden die „kulturbolschewistischen Bilder“ in jeweils veränderter Form vom Münchner und Erlanger Kunstverein als Mannheimer Galerieankäufe bzw. Mannheimer Schreckenskammer gezeigt.         
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    Treibende Kraft hinter der Ausstellung ist Otto Gebele von Waldstein (1885-1978). Der Leiter der NSDAP-Ortsgruppe wird einen Tag vor ihrer Eröffnung zum kommissarischen Hilfsreferenten der Kunsthalle ernannt. Bereits Anfang März 1933 muss er handstreichartig das Kommando in der Kunsthalle übernommen und die Schau vorbereitet haben. Die Ausstellung verfolgt vor allem drei Ziele: Die moderne Avantgarde soll als „artfremd“ und dilettantisch gebrandmarkt und die bisherige Ankaufspolitik der Kunsthalle als „Verschwendung von Volkseigentum“ diskreditiert werden. Jüdische Kunsthändler sollen schließlich als treibende Kräfte und Profiteure entlarvt werden, die hinter den als überteuert dargestellten Ankäufen stehen. Die Wirkung der Kulturbolschewistischen Bilder auf nachfolgende Propaganda-Ausstellungen im Nationalsozialismus ist enorm: wesentliche Elemente wie die Gegenüberstellung von moderner „Verfallskunst“ und „deutscher Kunst“ oder die diffamierende Präsentation ohne jegliche Ordnung oder Rahmung prägen auch die nachfolgenden Schauen „entarteter Kunst“.
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    Rund 100 deutsche Kunstmuseen sind im Sommer 1937 Schauplatz einer maßlosen „Säuberungsaktion“: Möglichst alles, was den nationalsozialistischen Vorstellungen widerspricht, soll aus öffentlichen Sammlungen entfernt werden. Auch die Kunsthalle ist unter den betroffenen Institutionen. In zwei Aktionen werden aus ihren Beständen annähernd 600 Werke zeitgenössischer Künstler als „entartet“ beschlagnahmt. Die seit den 1910er Jahren aufgebaute Mannheimer Moderne-Sammlung wird dadurch brutal zerschlagen.

    Bei der ersten Beschlagnahmung am 8. Juli werden 18 Gemälde, fünf Plastiken und 35 graphische Werke konfisziert um in der Ausstellung Entartete Kunst in München zur Schau gestellt zu werden. Am 28. August folgt eine zweite, noch umfangreichere Beschlagnahme: Annährend 550 Kunstwerke werden aus Mannheim abgezogen und nach Berlin abtransportiert. Viele der Werke werden von den Nationalsozialisten verbrannt oder eingeschmolzen, als Exponate der Wanderausstellungen „entarteter Kunst“ werden andere bis Anfang der 1940er Jahre innerhalb des Deutschen Reichs zur Schau gestellt. Ein Teil wiederum wird gegen Devisen ins Ausland oder an dazu ermächtigte deutsche Kunsthändler verkauft.
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    Nach anfänglichen Diskussionen über die Rechtmäßigkeit der Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ kommt es Anfang der 1950er Jahre zu einer stillen Übereinkunft: Die Folgen der Konfiszierungen werden als Status quo anerkannt, die unversehrt gebliebenen Werke damit nicht an ihre früheren Museen zurückgegeben. Damit verliert auch die Kunsthalle endgültig einen Großteil ihrer einstigen Moderne-Sammlung. Diese wird gleichzeitig über den ganzen Globus verteilt, und ehemalige Mannheimer Werke werden zu Glanzstücken anderer Museen oder Privatsammlungen weltweit.  

    In die Sammlung kehren dagegen nur etwa zehn Prozent der 1937 entfernten Werke zurück. Oftmals begleitet von gerichtlichen Auseinandersetzungen gelingt es ab 1948 immerhin, einzelne bedeutende Gemälde wie Beckmanns Fastnacht, Grosz’s Porträt des Schriftstellers Max Herrmann-Neiße oder Zeichnungen von Schlemmer zurück zu erwerben. Das Dix-Aquarell Frau mit Schleier ist dagegen eine erst unlängst nach Mannheim zurückgekehrte Graphik.  

    Als Ersatz für beschlagnahmte Werke gelangen nach 1945 mit Corinths Walchenseelandschaft mit Lärche und Feiningers Halle, Marienkirche I aber auch zwei Gemälde nach Mannheim, die bis 1937 im Bestand anderer deutscher Museen waren. Über den Kunsthandel erwirbt die Kunsthalle die beiden zuvor in Hannover bzw. Halle beheimateten Werke.  
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    Die Kunsthalle und ihre jüdischen Mäzene: Schicksalswege fünf jüdischer Familien aus Mannheim

    Jüdische Familien sind von Beginn an wichtige Unterstützer der Kunsthalle. Mit ihren Stiftungen haben sie entscheidenden Anteil am Auf- und Ausbau der Sammlung. Auch der Völkermord an den Juden im Nationalsozialismus kann diese enge Verbindung nicht lösen. Trotz Flucht und Vertreibung aus Mannheim machen einige unter ihnen dem Museum auch nach 1945 bedeutende Schenkungen. Die Familien Bensinger, Falk, Herbst/ Landmann, Lenel und Newman/ Tannenbaum stehen mit ihrem Schicksal beispielhaft für eine ganze Reihe jüdischer Mäzene der Kunsthalle.
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    Durch klicken auf die Kacheln können Sie sich die Familiengeschichten einzelner Jüdischer Familien ansehen
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    Provenienzforschung an der Kunsthalle Mannheim

    Seit 2011 erforscht die Kunsthalle systematisch die Herkunft aller Gemälde, Skulpturen und Grafiken in ihrem Bestand. Ziel des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projektes ist es, möglichst lückenlos die Besitzerwechsel aller vor 1946 entstandenen Objekte zu klären. Kunstwerke, die ihre politisch oder rassisch verfolgten Vorbesitzer während des Nationalsozialismus unter Druck verkaufen mussten oder die diesen geraubt bzw. enteignet wurden, sollen so identifiziert werden. Im Anschluss daran werden die Objekte ihren früheren Besitzern bzw. deren Erben zurückgegeben bzw. gerechte und faire Lösungen für eine Entschädigung getroffen.  

    In einem ersten Projektabschnitt wurden bis August 2015 alle Gemälde und Skulpturen auf ihren Verbleib zwischen 1933 und 1945 hin überprüft. Seitdem läuft die Erforschung der Graphischen Sammlung.
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    Die seit 2011 laufende Provenienzforschung an der Kunsthalle konnte bisher eine Reihe von Objekten ermitteln, deren Verbleib während des Nationalsozialismus ungeklärt ist. Die zum Vorschein gebrachten Herkunftsgeschichten dieser Kunstwerke weisen darüber hinaus auch Verdachtsmomente auf NS-Raubkunst auf. D. h., es gibt unterschiedliche Hinweise darauf, dass ein politisch oder rassisch verfolgter Vorbesitzer das jeweilige Werk während der NS-Diktatur unter Druck verkaufen musste oder ihm dieses geraubt bzw. enteignet wurde. So kann etwa die Versteigerung eines Kunstwerks in den späteren 1930er Jahren als Indiz für einen derartigen Verlust oder Raub gewertet werden. Auch der Ankauf eines Objektes von einem Kunsthändler, der in den NS-Kunstraub eingebunden war, ist als verdächtig einzustufen. Und zwischen 1933 und 1945 in den Sammlungsbestand aufgenommene Werke ohne jeglichen Herkunftsnachweis müssen als verdächtig interpretiert werden. Neben diesen Verdachtsfällen konnte mit der Radierung Der Trinker von Wilhelm Leibl bisher auch ein Werk zweifelsfrei als NS-Raubkunst ermittelt werden. Die Bronze Stehendes Mädchen von Georg Kolbe ist wiederum eines von insgesamt vier Objekten, die bereits vor Beginn der systematischen Provenienzforschung als NS-Raubkunst identifiziert und ihren rechtmäßigen Eigentümern restituiert wurden.  

    Alle Werke der Kunsthalle mit dem Verdacht auf bzw. dem Nachweis für NS-Raubkunst sind auf der Homepage von Lost Art, der deutschen Datenbank zur Dokumentation von Raub- und Beutekunst, gemeldet (www.lostart.de). Die Kunsthalle hofft, auf diesem Wege rechtmäßige Besitzer der betreffenden Objekte zu ermitteln, um bei berechtigten Ansprüchen die Werke restituieren zu können.    
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    In den „Provenienzboxen“ befinden sich alle Informationen zur Provenienz und Beschaffenheit der einzelnen Werke.

    Der Bilanzbericht enthält die nötige Literatur, die Rückseitenforschung und Rechnungen bzw. Korrespondenzen des Museums mit Künstlern, Kunsthändlern oder privaten Sammlern über den Erwerb von Sammlungsobjekten.
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    Über die Ausstellung

    Die Audiotour der Kunsthalle Mannheim App führt Sie in 14 Stationen auf spannende Weise durch die Ausstellung.

    Die App ist als kostenloser Download im Apple- und Google-Play-Store erhältlich
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    Zur Ausstellung erscheint der Katalog „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“, herausgegeben von Johan Holten und Dr. Mathias Listl. (2. Auflage - Deutsch/Englisch, 124 Seiten, ca. 90 Abb., 19,50 Euro). Erhältlich im Museumsshop der Kunsthalle Mannheim und im Onlineshop des deutschen Kunstverlages.
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    Eugen (1860-1949) und Sofie (1865-1936) Herbst 1885 gründet Eugen Herbst in Heilbronn die Felina-Miederwaren, aus denen die Mannheimer Korsettfabrik Eugen und Hermann Herbst GmbH hervorgeht. 1933 ist die von Eugen Herbst und seinen Söhnen Walter (*1892) und Fritz (1888-1948) geleitete Firma deutschlandweit die zweitgrößte ihrer Art.  

    Nach 1933 scheidet Eugen Herbst als Geschäftsführer aus dem Betrieb aus. Da sich auch unter dem nichtjüdischen Vorstand Fritz Gaber nichts an der systematischen Benachteiligung der Firma ändert, verkauft die Familie gerade noch rechtzeitig ihre Anteile an der Korsettfabrik. 1936 emigrieren Eugen Herbst und seine Frau Sofie nach Amsterdam, kurz vor Besetzung der Niederlande durch deutsche Truppen gelingt ihnen 1939 die Ausreise nach Übersee.  

    Wilhelm (1891-1987) und Julie (1898-2001) Landmann Wilhelm Landmann wächst in Mannheim auf und studiert in Heidelberg Jura und Wirtschaft. Während eines Studienaufenthalts in München lernt er die Mannheimer Fabrikantentochter Julie Herbst kennen, die er 1921 heiratet. 1922 wird ihr Sohn Rudolf (†1940), 1923 ihr Sohn Martin geboren. Zunächst arbeitet Landmann an der Mannheimer Börse, bevor er 1920 als Partner in die lithographische Druckanstalt seines Bruders Paul Isidor (1881-1939) eintritt. Privat begeistert sich der Unternehmer für bildende Kunst und engagiert sich im Freien Bund zur Einbürgerung der bildenden Kunst in Mannheim, dem von Fritz Wichert ins Leben gerufenen Vermittlungsprogramm wie Förderverein an der Kunsthalle. Mit Hilfe seines Schulfreundes Herbert Tannenbaum (1892-1958) baut er gleichzeitig eine eigene Sammlung moderner Kunst auf.  

    1936 gründen die Brüder Landmann in Nimwegen eine Dependance ihrer Mannheimer Verlagsfirma, die Wilhelm fortan leitet. Vor dem Einmarsch der Deutschen gelingt es der Familie, die Niederlande in Richtung Übersee zu verlassen. Seine Kunstsammlung konnte Landmann zuvor noch im Depot des Amsterdamer Stedelijk Museum einlagern. Dort überdauert sie unbeschadet den II. Weltkrieg. Ab 1970 macht Wilhelm Landmann der Kunsthalle mehrere Werke dieser Sammlung zum Geschenk.           
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    Der Unternehmer Adolf Bensinger ist um 1900 eine der prägenden Figuren des regionalen Wirtschaftslebens. Ab 1891 leitet er die Rheinische Gummi- und Celluloidfabrik in Neckarau. Gleichzeitig ist Bensinger Teilhaber der in Mannheim ansässigen Fabrik wasserdichter Wäsche Lenel, Bensinger & Co.  

    Der Sammler
    Seit 1899 mit Frau Luise (geb. Kahn) verheiratet, bewohnt Bensinger eine Villa am Werderplatz. Sie beherbergt eine stetig anwachsende, v. a. aus Werken deutscher wie französischer Maler des Realismus und Impressionismus bestehende Kunstsammlung. Gemälde von Corot, Daumier oder Renoir zählen ebenso zu ihrem Bestand wie Arbeiten von Liebermann, Menzel oder Thoma. Aber auch einzelne Werke von van Gogh, Hodler und Segantini kann Bensinger im Laufe der Jahre erwerben.  

    Ab 1933: Schrittweise Enteignung  
    Die 1930er Jahre sind Jahre unablässiger Schicksalsschläge für den inzwischen in den Ruhestand getretenen Unternehmer: Nach langer Krankheit stirbt 1934 seine Frau Luise, zwei Jahre später sein Bruder Karl (1869-1936). Durch die „Arisierungen“ jüdischer Unternehmen verliert er seine Firmenanteile, einzig das private Vermögen mitsamt der Gemäldesammlung kann er bis 1939 zusammenhalten. Nachdem am 28. Juni 1939 sein Kunstbesitz von der Oberfinanzdirektion Baden eingezogen wird, verstirbt Adolf Bensinger noch am selben Tag.  

    1940: Zerschlagung der Sammlung
    Nach dem Tod des kinderlosen Industriellen wird seinen Nichten und Neffen ihr zugesprochenes Erbe letztlich verwehrt, die Villa von der Wehrmacht beschlagnahmt und die Sammlung im Februar 1940 vom Auktionshaus Nagel versteigert. Einzig das der Gemeinde St. Moritz vermachte Segantini-Gemälde geht gemäß der letzten Verfügung Bensingers in die Schweiz, heute ist es Teil des dortigen Segantini Museums. Der Verbleib der anderen Werke aus der Sammlung des Unternehmers ist heute überwiegend unbekannt.                    
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    Richard (1869-1950) und Milly (1880-1959) Lenel  
    Unternehmer und engagierter Bürger


    Mit 23 Jahren tritt Richard Lenel in die väterliche Wäschefirma Lenel, Bensinger & Co ein, der er ab 1897 als Geschäftsführer vorsteht. Drei Jahre später heiratet er Milly Maas, zusammen wird das Ehepaar neun Kinder haben. In vielen Ämtern und Funktionen tritt Lenel im öffentlichen Leben Mannheims in Erscheinung.

    Demütigung, Verfolgung und Flucht in letzter Minute   Bereits unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wird Richard Lenel gezwungen, das Amt des Präsidenten der Handelskammer aufzugeben. Trotz aller Widerstände weigert er sich aber lange, die Firma in Mannheim aufzugeben und das Land zu verlassen. Nachdem seine Söhne Klaus (1904-1980) und Viktor (1907-unbekannt) am 10. November 1938 in das KZ Dachau verschleppt werden, leitet er gerade noch rechtzeitig die Emigration ein und verkauft seinen Besitz weit unter Wert. Am 31. August, einen Tag vor Kriegsbeginn, erreicht er zusammen mit seiner Frau Milly weitgehend mittellos London.  

    1949: Rückkehr nach Mannheim

    Nach dem II. Weltkrieg ist es der Mannheimer Oberbürgermeister Hermann Heimerich (1885-1963), der die Familie Lenel zu einer Rückkehr in die Heimat bewegt. 1949 beziehen Richard und Milly Lenel eine Wohnung in Neckargemünd, kurze Zeit später wird Richard Lenel die Ehrenpräsidentschaft der Industrie- und Handelskammer sowie das Ehrenbürgerrecht der Stadt Mannheim verliehen. 1949 stiftet er dem Stadtrat die Gemälde „Morgen auf der Themse“ von Rudolf Hellwag und Adolf Menzels „Kopf eines alten Mannes“.
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    Unternehmer, Kunstsammler, Mäzen

    1914 übernimmt Sally Falk die Leitung der baumwollverarbeitenden Firma seines Vaters in Neckarau. Während des I. Weltkriegs floriert das Geschäft mit Uniformstoffen und Falk gelangt zu großem Reichtum. In kurzer Zeit baut er eine bedeutende Sammlung moderner Kunst auf, die Werke von Renoir, Gauguin, van Gogh, Cézanne, Munch oder Picasso umfasst. In George Grosz und Wilhelm Lehmbruck unterstützt der Unternehmer zudem zwei junge Künstler. Gleichzeitig engagiert sich Falk auch für die Kunsthalle. Nach der Schenkung eines Lehmbruck-Gemäldes überlässt er dem Museum Anfang 1917 zunächst als Leihgaben sechs Plastiken des Künstlers. Diese und Werke weiterer deutscher Bildhauer sollen in einer Stiftung an die Kunsthalle münden.  

    Trotz Firmenzusammenbruch: Stiftung Sally Falk

    Nach dem Bankrott seiner Firma im Juli 1917 ist Falk gezwungen, einen Großteil seiner Sammlung zu verkaufen. Weitere in der Kunsthalle gelagerte Werke überlässt der in die Schweiz ausgewanderte Fabrikant einem Gläubiger; dieser verkauft die Reste der Sammlung über den Kunsthandel. Vom finanziellen Zusammenbruch des Unternehmens unberührt bleibt aber die Stiftung an die Kunsthalle: 1921 werden die sechs Plastiken von Lehmbruck und zusätzlich je ein Werk von Georg Kolbe, Edwin Scharff und Ernesto de Fiori endgültig der Sammlung einverleibt.  

    1937: Zerschlagung der Stiftung durch die Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“

    Durch die Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ wird die Stiftung 1937 brutal zerschlagen: Während der eine Teil in der Kunsthalle verbleibt, werden mit den beiden Lehmbruck-Plastiken Der Gebeugte und Kniende die bedeutendsten Werke der Stiftung entfernt. Während auch das Lehmbruck-Gemälde und Scharffs Athlet seitdem in der Sammlung fehlen, kehrt zumindest der ebenfalls beschlagnahmte Jüngling de Fioris 1939 wieder nach Mannheim zurück.  

    Das weitere Schicksal Sally Falks 
    Auch Falk selbst ist von der Gewalt der Nationalsozialisten betroffen. Während des II. Weltkriegs lebt er zeitweilig in Lyon, wo ihn die Gestapo festnimmt, er sich aber durch Flucht befreien kann. Wieder in der Schweiz verschlechtert sich seine finanzielle Lage nach 1945 noch einmal. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er nun v. a. durch den Verkauf ihm noch verbliebener Kunstwerke. Aufgrund seiner Verdienste für die Kunsthalle spricht ihm die Stadt Mannheim 1961 einen Ehrensold zu, der nach Falks Tod auf seine Frau Adèle übergeht.  
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    Kunsthalle und Kunsthaus – Tannenbaum als Wegbereiter der Moderne in Mannheim

    Bereits früh begeistert sich Herbert Tannenbaum für bildende Kunst. 1911 ist der gebürtige Mannheimer eines der ersten Mitglieder des Freien Bundes zur Einbürgerung der bildenden Kunst in Mannheim, dem von Fritz Wichert ins Leben gerufenen Vermittlungsprogramm wie Förderverein an der Kunsthalle. Dort ist er nach einem abgeschlossenen Jurastudium ab 1913 schließlich auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. 1920 macht sich Tannenbaum selbstständig und gründet mit der Kunsthaus GmbH eine Kunst- und Buchhandlung, die sich auf dem regionalen Kunstmarkt schnell als wichtigste Galerie der modernen Avantgarde etabliert. Tannenbaum veranstaltet Ausstellungen heute so bekannter Künstler wie Otto Dix, James Ensor, Marc Chagall oder Paul Klee, fördert gleichzeitig aber auch junge regionale Künstler wie Willy Oeser, Wilfried Otto oder Georg Scholz. Der Kunsthalle wiederum vermittelt er eine Reihe bedeutender, 1937 oftmals als „entartet“ beschlagnahmter Werke, darunter Chagalls Die Prise (Der Rabbiner), Ensors Die Masken und der Tod oder Auguste Rodins Büste Gustav Mahler.  

    Diffamierung durch die Nationalsozialisten


    Unmittelbar mit Beginn der NS-Diktatur wird Herbert Tannenbaum zur Zielscheibe der neuen Machthaber: In der Ausstellung Kulturbolschewistische Bilder werden viele bei ihm erworbene Gemälde und Graphiken an den Pranger gestellt, und der Kunsthändler selbst in Zeitungsartikeln verunglimpft. Gleichzeitig werden die Möglichkeiten, in Mannheim als Jude ein Geschäft zu führen, immer stärker eingeschränkt. Im November 1936 zieht Tannenbaum die Konsequenzen und verkauft Das Kunsthaus an den Dresdner Kunsthändler Rudolf Probst. Zusammen mit seiner Frau Maria und Tochter Beate übersiedelt er im April 1937 in die Niederlande.  

    Exil in den Niederlanden


    In Amsterdam ist die Familie zu einem völligen Neuanfang gezwungen. Mit einer kleinen Galerie gelingt es Tannenbaum aber, in der Stadt Fuß zu fassen. In seinem Schulfreund Wilhelm Landmann (1891-1987) und seiner Familie trifft Tannenbaum alte, ebenfalls aus Mannheim geflohene Weggefährten, mit anderen deutschen Emigranten wie Max Beckmann oder Heinrich Campendonk schließt er neue Freundschaften. Mit dem Überfall der Wehrmacht am 10. Mai 1940 auf die Niederlande beginnen für die Familie schreckliche Jahre des Überlebenskampfs. Während seine Frau Maria als Nicht-Jüdin nicht unmittelbar Gefahr droht, ist ihr Ehemann gezwungen, sich vollkommen aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Gerhard Neumann, später Newman (1910-1995), wiederum, seit 1942 Ehemann der Tochter Beate und ebenfalls deutscher Emigrant, entgeht bereits inhaftiert nur knapp der Deportation.

    Neubeginn in New York  
    Nach Ende des II. Weltkriegs folgt für die Familie Tannenbaum/ Newman ein weiterer Ortswechsel. Von Amsterdam geht es im Juli 1947 nach New York, noch kurz vor der Abreise malt Max Beckmann den Freund. Auch in der neuen Welt beginnt ein Anfang bei null: Im nahe New York gelegenen Rye beginnt der Kunsthändler mit einer kleinen Galerie, ehe er 1949 sein erfolgreiches Geschäft im Zentrum Manhattans eröffnen kann. Nachdem er mit seiner Frau 1953 zum ersten Mal wieder nach Mannheim zurückgekehrt war und danach regelmäßig in die alte Heimat kam, stirbt Herbert Tannenbaum am 30. September 1958 kurz vor der Rückreise in die USA am Frankfurter Flughafen. Bis 1968 führt Maria Tannenbaum die Galerie ihres Mannes weiter. Seinem Andenken stiften sie und ihre Tochter der Kunsthalle ab 1960 mehrere Kunstwerke.
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    Von einer großen Anzahl der aus der Mannheimer Moderne-Sammlung entfernten Werke verliert sich spätestens gegen Ende des II. Weltkriegs jede Spur und ihr weiterer Verbleib muss bis heute als offen gelten. Wenn in den letzten Jahren auch vereinzelt Grafiken wieder auf dem Kunstmarkt aufgetaucht sind, die bis dahin als verschollen, mitunter sogar als zerstört eingestuft waren, bleiben vor allem einige bedeutende Gemälde bis heute nicht auffindbar. Zu diesen sich aktuell vielleicht in Privatbesitz befindenden, schlimmstenfalls zerstörten Objekten gehören u. a. Die Witwe von Otto Dix sowie Erich Heckels Kirche. Von der Berliner Kunsthandlung Karl Nierendorf erwarb die Kunsthalle die erstgenannte, 1925 gemalte Darstellung einer älteren Frau mit Trauerschleier und Lilienstrauß noch in ihrem Entstehungsjahr. Am 8. Juli 1937 befand sich das Gemälde dann unter jenen Objekten, die für eine Präsentation in der Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“ beschlagnahmt wurden. Nach seiner Diffamierung auf mehreren Stationen der durch das Deutsche Reich ziehenden Femeschau gelangte es im August 1938 wiederum in das Depot „international verwertbarer“ Kunstwerke im Berliner Schloss Schönhausen. Zu jeweils unbekannten Zeitpunkten nahmen die beiden Kunsthändler Karl Buchholz und Bernhard A. Böhmer Die Witwe vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP), der für die „Verwertung“ der konfiszierten Objekte zuständigen Behörde, in Kommission. Nachdem es auch Böhmer 1941 wieder an das RMVP zurückgegeben hatte, verliert sich von dem Werk schließlich jede Spur.

    Erich Heckels Kirche, deren Aussehen wie auch das des Dix-Gemäldes nur durch eine Schwarz-Weiß-Aufnahme der Kunsthalle überliefert ist, gelangte 1919 von der Berliner Kunsthandlung J. B. Neumann in die Sammlung des Museums. Im Vergleich zur Provenienz der Witwe liest sich der Werdegang der 1918 entstandenen Kirchenansicht nach ihrer Beschlagnahmung am 28. August 1937 noch deutlich lückenhafter: Für den August 1938 ist es ebenfalls im Depot von Schloss Schönhausen nachweisbar. Über den weiteren Verbleib des Gemäldes, das Teil des „Sonderbestandes Propagandaministerium“ war, ist nichts bekannt.
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    Zusammen mit Ernesto de Fioris Jüngling, zwei Zeichnungen von Albert Haueisen sowie einer von Rudolf Grossmann zählt auch Franz Marcs 1912 entstandene Darstellung der friedlichen Koexistenz von Hund, Fuchs und Katze zu den beschlagnahmten Werken, die der Kunsthalle ab 1938 vom RMVP zurückgegeben wurden. Dieses sicherlich prominenteste Beispiel unter den auf diesem Weg wieder nach Mannheim zurückgekehrten Objekten war 1919 von der Münchner Galerie Caspari angekauft worden und befand sich 1937 unter den Objekten, die in der zweiten Beschlagnahmeaktion am 28. August konfisziert wurden. Nach seiner Deponierung im Schloss Schönhausen wurde das Gemälde im Juni 1939 in der berühmten Auktion Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen der Luzerner Galerie Fischer zur Versteigerung aufgerufen. Anders als etwa Marc Chagalls Die Prise (Der Rabbiner) oder James Ensors Die Masken und der Tod kam das Gemälde dabei aber nicht unter den Hammer und wurde nach dem gescheiterten Verkauf vermutlich wieder zurück in das Deutsche Reich verbracht.

    Ein Jahr später erfolgte dann die Rückgabe des Werkes an die Kunsthalle. Unter der vom RMVP gesetzten Bedingung, das Gemälde weder auszustellen noch zu verkaufen, gelangte es im Juni 1940 wieder in die Sammlung zurück. Derartige Rückgaben waren zwar alles andere als die Regel, lassen sich aber auch für andere Museen nachweisen. Für die an die Kunsthalle zurückgegebenen Objekte ist zumindest denkbar, dass sie im Zusammenhang mit Walter Passarges (1898-1958) Einsatz für die „entartete Kunst“ stehen. Mehrfach hatte der seit 1936 als Direktor der Kunsthalle tätige Kunsthistoriker auf staatlicher Ebene nachgehakt und Beschlagnahmungen bestimmter Künstler hinterfragt.
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    Wie Drei Tiere befindet sich auch Max Beckmanns Paarbildnis, das den Künstler gefesselt und mit verhülltem Gesicht zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Mathilde von Kaulbauch zeigt, heute wieder im Bestand der Kunsthalle. Anders als Marcs bereits 1940 wieder nach Mannheim zurückgekehrte paradiesische Szenerie ist Fastnacht aber eines jener Werke, die das Museum erst nach dem II. Weltkrieg und zum Teil nach jahrelangen gerichtlichen Auseinandersetzungen wieder für die eigene Sammlung zurückerlangen konnte. 1927 vom Münchner Graphischen Kabinett angekauft, wurde das Gemälde 1937 in der zweiten Beschlagnahmeaktion konfisziert und nach Berlin verbracht.

    Karl Buchholz, neben Hildebrand Gurlitt, Karl Haberstock und Ferdinand Möller einer der vier ab 1938 zur „Verwertung“ der beschlagnahmten Werke autorisierten Kunsthändler, erwarb Fastnacht zusammen mit sechs weiteren Gemälden Beckmanns am 10. März 1941 im Tausch gegen ein Gemälde von Friedrich Loos. Sechs dieser Werke trat er aber sogleich an Günther Franke ab, der inzwischen Inhaber des bereits genannten Graphischen Kabinetts geworden war. Damit gelangte das Paarbildnis nicht nur wieder genau in die Galerie zurück, von der es die Kunsthalle 1927 erworben hatte. Es war damit auch im Besitz jenes Kunsthändlers, der Beckmann zu dieser Zeit wie auch später als Kunsthändler vertrat. Wie weitere Werke Beckmanns und anderer als „entartet“ diffamierter Künstler überdauerte auch Fastnacht bei Franke die Kriegsjahre. Es ist zu vermuten, dass der Kunsthändler auch dieses Gemälde von München ins oberbayerische Seeshaupt am Starnberger See verbrachte und dort einlagerte.

    Da Ende der 1940er Jahre noch offen war, wie die Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ von der Bundesrepublik rechtlich bewertet werden würden, kam es nach der ersten Ausstellung von Fastnacht nach dem II. Weltkrieg zu einem gerichtlichen Streit um das Eigentum an dem Gemälde. Schließlich einigte man sich darauf, dass Fastnacht 1950 als Schenkung von Günther Franke an die Kunsthalle zurückkommen solle. Gleichzeitig erwarb das Museum von dem Kunsthändler Beckmanns 1940 entstandenes Gemälde Große liegende Frau mit Papagei (Ruhende; Frau Welt).
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    Während Franz Marcs Drei Tiere in der Auktion der Galerie Fischer im Juni 1939 keinen Käufer fanden, gingen in der gleichen Versteigerung insgesamt fünf andere, 1937 aus den Beständen der Kunsthalle entfernte Gemälde in den Besitz ausländischer Privatsammler oder Museen über. Unter den Käufern befand sich auch der erst einige Monate zuvor zum Direktor des Kunstmuseums Basel ernannte Georg Schmidt (1896-1965), der bei dieser Gelegenheit Marc Chagalls Gemälde Die Prise (Der Rabbiner) für sein Haus erwerben konnte. Gerade diese Darstellung eines Rabbiners, die die Kunsthalle 1928 von dem Mannheimer Kunsthändler Herbert Tannnenbaum erworben hatte, war – ab 1933 aufgrund der Bündelung mehrerer nationalsozialistischer Feindbilder mit am stärksten von der öffentlichen Diffamierung betroffen.

    Nicht über die Schweiz, sondern vom Deutschen Reich aus wurde dagegen Robert Delaunays Gemälde Saint-Séverin No. 3 ins Ausland transferiert. Hildebrand Gurlitt erwarb die in der zweiten Beschlagnahmung konfiszierte Innenansicht der Pariser Pfarrkirche im Februar 1939 vom RMVP. Über die Berner Galerie Gutekunst und Klipstein gelangte es im selben Jahr wiederum in den Besitz des New Yorker Industriellen Solomon R. Guggenheim. Seit 1941 befindet sich das Gemälde als Schenkung des Kunstmäzens in der Sammlung des von ihm mitbegründeten Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Wie Chagalls Darstellung eines Rabbiners, Lehmbrucks Junges Mädchen (Martha), das Aquarell Im Café (Hakenkreuzritter) von Georg Scholz sowie Ernst Heckels Holzschnitt Madonna von Ostende kehrt auch Delaunays Saint-Séverin No. 3 im Rahmen der Ausstellung „(Wieder-) Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ als „Gast“ erstmals wieder in die Kunsthalle zurück. Im Wechsel wird immer eines von ihnen als Beispiel für die vielen anderen 1937 beschlagnahmten Werke zu sehen sein.
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    Als am 3. November 2013 Journalisten aus aller Welt erstmals zu einer Pressekonferenz im „Fall Gurlitt“ geladen waren, befand sich unter den von der Staatsanwaltschaft Augsburg präsentierten und zuvor in der Münchner Wohnung von Cornelius Gurlitt aufgefundenen Werken mit dem Melancholischen Mädchen Ernst Ludwig Kirchners auch eine ehemals der Kunsthalle gehörende Druckgrafik. Der Holzschnitt war 1921 vom Frankfurter Kunstsalon Ludwig Schames angekauft und 1937 im Rahmen der zweiten Beschlagnahmung aus den Museumsbeständen entfernt worden. Wie sich im weiteren Verlauf der von Hysterie, vorschnellen Verurteilungen und allgemeinem Schatzfieber geprägten Causa Gurlitt herausstellen sollte, war dieses Blatt aber keineswegs die einzige ehemalige Mannheimer Grafik, die der Sohn des Kunsthändlers Hildebrandt Gurlitt in der vom Vater auf ihn übergegangenen Sammlung gehütet hatte.

    Vier weitere Blätter, unter ihnen auch das Aquarell Krankenschwester von George Grosz, konnten bisher eindeutig als 1937 in der Kunsthalle beschlagnahmte und in der Folge von Gurlitt Senior vom RMVP erworbene oder mit ihm eingetauschte Werke identifiziert werden. Dabei steht die Provenienz von Grosz’s Krankenschwester, die 1925 vom Künstler selbst erworben wurde, exemplarisch für die Vorgänge, durch die auch die anderen Blätter in den Besitz der Familie Gurlitt gelangt waren. Nach seiner Entfernung aus den Beständen der Kunsthalle am 28. August 1937 ist das Blatt zwischen August 1938 und März 1941 unter den im Schloss Schönhausen gelagerten Kunstwerken nachweisbar. Wie viele weitere beschlagnahmte Grafiken kaufte Hildebrand Gurlitt das Blatt am 21. März 1941, das nach dem Tod seiner Eltern auf Cornelius Gurlitt überging. Dieser vermachte dem Kunstmuseum Bern schließlich die sich noch in seinem Besitz befindenden Werke „entarteter Kunst“, darunter auch das aus Mannheim stammende Aquarell Krankenschwester.
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